Galerie der Weinköniginnen im Hochheimer Weinbaumuseum

10.04.2018 | Am Sonntag, den 15. April 2018 um 15 Uhr eröffnet im mittleren Kellergewölbe des Hochheimer Weinbaumuseums ein Highlight der gelebten Weinkultur, die Galerie der Hochheimer Weinköniginnen. Begrüßt werden die Besucher von der amtierenden Weinkönigin Rebecca I. Auch kleine Anwärterinnen und Anwärter auf das königliche Amt kommen nicht zu kurz – in einer Kinderwerkstatt kann schon einmal die zukünftige Krone selbst gestaltet werden.

Die gelebte Weinkultur kommt ins Museum

Die oberste Repräsentantin der gelebten Weinkultur ist in Hochheim die Weinkönigin und das seit 1950 bis heute. Dieser lebendige Brauch erhält nun den ihm zustehenden Platz, mit den Fotos der jungen Frauen, die diese Tradition aufrechterhalten haben und weiterhin tun. Die Weinköniginnengalerie zeigt das Kulturerbe, die Moden der Vergangenheit bis in die Gegenwart und gibt einen Fingerzeig in die Zukunft.  

Die Fotos aller bisherigen Weinköniginnen, von der Ersten bis zur Aktuellen sind ausgestellt und es bleibt noch Platz für Zukünftige. Die Fotografien sind rund um die dritte Krone der Hochheimer Weinkönigin von 1971 angeordnet.

Der bekannte Kunstfotograf Horst Ziegenfusz aus Mörfelden-Walldorf wurde mit den Reproduktionen der z.T. über 60-jährigen Fotos beauftragt. Er hat durch die gewählten Bildausschnitte und das Schwarzweiß die Individualität der Aufnahmen hervorgehoben und damit gleichzeitig einen harmonischen Gesamteindruck geschaffen. Das quadratische Format der Porträts unterstützt das stilvolle Erscheinungsbild der kleinen Galerie. Die Details, die Zeitperiode und die Strahlkraft der Charaktere sind durch Bildausschnitt, Grautöne und Format sogar verstärkt erkennbar.

 

Wann kommt der Weinkönig?

Gerade die Weinköniginnen der 50er Jahre freuen sich wie emanzipiert die jungen Frauen auftreten. Rosel Schwob geb. Lessel die Weinkönigin von 1952 sagt mit Verve: „Es war eine schöne Zeit. Und es ist schön, dass es den Brauch noch gibt. Aber warum gibt es nicht auch einen Weinkönig? Das ist überfällig. Ich wäre dafür.“

 

Hochheimer Weinkönigin

Die Hochheimer Weinkönigin ist seit über 60 Jahren eine Repräsentantin des lokalen Weinanbaugebietes und der Stadt Hochheim am Main im Rheingau. 

Als Sympathiefigur und Imageträgerin vertritt die Hochheimer Weinkönigin gemeinsam mit Ihren beiden Weinprinzessinnen den traditionsreichen Weinbau ebenso wie die moderne Weinkultur und das Hochheimer Motto – Lebensfreude genießen!

Sie repräsentiert als Botschafterin die Wein- und Sektstadt Hochheim am Main bei Veranstaltungen in der Region, aber auch bundesweit und bei den Hochheimer Partnerstädten im europäischen Ausland.

 

Historie und Wandel

Die erste Hochheimer Weinkönigin wurde im Jahr 1950 beim ersten Hochheimer Weinfest nach dem Krieg gewählt. Vor einer Jury mussten die 18 Bewerberinnen ein Gedicht vorlesen, kurz Vortanzen und möglichst elegant „zutrinken“. Auch heute noch markiert die Begrüßung oder die Krönungsfeier der neuen Hochheimer Weinmajestäten alljährlich die offizielle Eröffnung des Hochheimer Weinfestes am zweiten Wochenende im Juli.

Heute müssen die jungen am Weinbau interessierten Frauen eher die Fähigkeit besitzen, zu nahezu allen Weinthemen kompetent Stellung zu beziehen und am Mikrofon Eröffnungsreden und Ansprachen zu halten. Natürlich prägen die jungen Fachfrauen ihr Amt auch durch ihre jeweilige Persönlichkeit. Schlagfertigkeit und Kommunikationsfähigkeit sind gefragt.

 

Kandidatur

Am Anfang war die Anzahl der Bewerberinnen für das Amt der Hochheimer Weinkönigin hoch. In den späten 50er und frühen 60er Jahren, in den Zeiten von Elvis, Rock’n‘ Roll und den Beatles aber auch 1968 zur Studentenrevolution war das Amt mangels Winzertöchtern oder dem Interesse der jungen Frauen verwaist. Stefanie Kaufmann später Schuster hielt die Fahne von 1964 bis 1967 als Hochheimer Weinkönigin hoch. Auch wenn es seit Roswitha Velten 1969/70 bis heute durchgehend eine Hochheimer Weinkönigin gab war es in den darauffolgenden Jahren nicht immer einfach, junge Frauen für die Rolle zu begeistern.

Weinkönigin, das hatte etwas Altbackenes und wurde im Freundeskreis mal mehr, mal weniger hoch angesehen. Dazu kam, dass das Reservoir an Bewerberinnen durch die sinkende Zahl der Weingüter immer kleiner wurde. Das hat dazu geführt, dass die Amtszeiten manches Mal von einem Jahr auf zwei Jahre verlängert wurde und schließlich wurde das Amt auch für junge Hochheimerinnen ohne familiären Bezug zum Weinbau geöffnet.

Seit den 1990er Jahren müssen die Weinmajestäten nicht mehr aus einer Winzerfamilie stammen, sondern lediglich noch eine „eindeutige und starke Verbundenheit mit Hochheim am Main und eine Affinität zum heimischen Weinbau haben“. Außerdem müssen die Bewerberinnen am Tag der Wahl mindestens 18 Jahre alt sein.

Die Hochheimer Weinkönigin hat im Folgejahr die Möglichkeit, bei der Wahl der Rheingauer Weinkönigin zu kandidieren. Bisher ging dieser Titel fünfmal an Hochheimerinnen. Die Gebietsweinkönigin aus dem Rheingau kann an der Wahl zur Deutschen Weinkönigin teilnehmen. Vier von fünf Hochheimerinnen die Rheingauer Weinkönigin waren, wurden dann auch als deutsche Weinprinzessin gekürt.

Mit dem Selbstverständnis der ‚Enkelinnengeneration‘ der ersten Hochheimer Weinköniginnen, die die Rolle für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt ganz selbstbewusst interpretieren zeigt sich auch der gesellschaftliche Wandel. Die jungen Frauen sehen Ihre Rolle immer auch als Chance für ihre persönliche Karriere, möchten etwas dazuzulernen, Erfahrungen in Marketing-Gesprächen und beim Entwickeln und halten von Reden sammeln und genießen die Auftritte vor kleinerem und größerem Publikum im In- und Ausland. Dafür machen sie sich natürlich auch schick und treten anlassgemäß mal in Jeans, mal im Abendkleid und auch mal im früher immer obligatorischen – mittlerweile aber sehr modern interpretierten - Dirndl auf.

 

Königinnenwein und Krone

Die ehrenamtliche Weinkönigin wird jeweils von einem Hochheimer Patenweingut unterstützt. Das Patenweingut und die jeweilige Weinkönigin suchen einen herausragenden Wein aus seinem Sortiment der zum Königinnenwein bzw. Krönungswein erkoren wird.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Krone der Hochheimer Weinkönigin vom geschlossenen Ring hin zum leichten Aufsteckdiadem gewandelt.  

 

Liste der bisherigen Hochheimer Weinköniginnen

1950/51 Renate Dienst †

1951/52 Elisabeth Quink, 1952 Rheingauer Weinkönigin, 1951-1953 Deutsche Weinprinzessin

1952/53 Rosel Lessel

1953/54 Hilde Kyritz  †

1954/55 Eva-Maria Weilbächer †

1955/56 Anne-Marie Schwab

1956/57 Annemarie Michel

1957/58 Anneliese Weilbächer

1959-63 keine Weinkönigin

1964-67 Stefanie Kaufmann

1968/69 keine Weinkönigin

1969/70 Roswitha Velten

1970/71 Anna-Maria Rudersdorf, 1971 Rheingauer Weinkönigin

1971/72 Brigitte Himmel

1972/73 Monika Hück

1973/74 Brunhilde Künstler

1974/75 Dr. Helga Klein

1975/76 Petra Weilbächer

1976/77 Hiltrud Dienst

1977/78 Karin Schäfer

1978/79 Renate Schäfer

1979/80 Beate Preis

1980/81 Ursula Treber

1981/82 Cornelia Klein

1982/83 Beate Weilbächer, 1983 Rheingauer Weinkönigin, 1984/85 Deutsche Weinprinzessin

1983/84 Sigrid Spitzl

1984-86 Hildegard König

1986/87 Ursula Preis

1987-89 Heike Dienst

1989-91 Nicole Dienst, 1992 Rheingauer Weinkönigin, 1993 Deutsche Weinprinzessin

1991-93 Sandra Siegfried, 1992/93 Rheingauer Weinprinzessin

1993/94 Nicole Pfaff

1994/95 Ilka Runzheimer

1995/96 Christiane Köder

1996/97 Silke Wirschinger

1997/98 Meike Petry

1998/99 Christine Schreiber

1999/00 Kerstin Koschnitzki

2000-02 Stefanie Völker

2002/03 Stephanie Stölzner

2003/04 Natascha Bösz

2004/05 Anna-Katharina Pelzer

2005/06 Astrid Weilbächer

2006-08 Jennifer Stockmann

2008/09 Isabelle Diefenbach, 2010 Rheingauer Weinprinzessin

2009/10 Bianca Ogorek

2010/11 Janine Melanie Gräf, 2011 Rheingauer Weinprinzessin

2011/12 Sabine Christina Wagner, 2012 Rheingauer Weinkönigin, 2013 Deutsche Weinprinzessin

2012/13 Hannah Rosenkranz

2013-15 Janine Preis

2015-17 Anna-Kathrin Hambuch

2017/18 Rebecca Hambuch